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RightNow Group Gründer, Benedikt Quarch: „Jura und Unternehmertun zu verbinden, war die beste Entscheidung meiner Karriere.“

RightNow Group Gründer, Benedikt Quarch: „Jura und Unternehmertun zu verbinden, war die beste Entscheidung meiner Karriere.“

1920 1280 Lawyers Magazine

RightNow ist ein Legal-Tech-Unternehmen, das Verbrauchern hilft, Rechtsansprüche durchzusetzen – und dabei auf ein einzigartiges Geschäfts­modell setzt: Der Fokus liegt auf Micro Claims, die Verbrauchern zunächst abgekauft und dann durchgesetzt werden. Gründer Benedikt Quarch ­erklärt, was es mit dem „Consumer Claims Purchasing“ auf sich hat und wie sein Alltag als Managing Director aussieht.

2017 gründet der Jurist Benedikt Quarch mit zwei Partnern die RightNow Group. Was als ­Experiment beginnt, ist heute ein Unternehmen, das europaweit aufgestellt ist: „Wir sind am Anfang mehr oder weniger hobbymäßig bei mir zu Hause gestartet“, erinnert sich Quarch. „Dass wir heute, zwei Jahre später, mit unserer Plattform in mehreren Ländern vertreten sind, ist ein echtes Highlight.“

„Die meisten Verbraucher wissen nicht, dass sie Rechtsansprüche haben. Genau hier setzen wir an.“

Ein Erfolg, der sicher auch auf das innovative Geschäftsmodell von RightNow zurückzuführen ist. „Gestartet sind wir mit dem Produkt Geld-für-Flug. Hier geht es um Erstattungs­ansprüche nach Flugstornierungen bzw. dem Nicht-Antritt eines Fluges “, erklärt Quarch. „Die meisten wissen nicht, dass es ­diese Ansprüche gibt oder glauben nicht, dass sie als Einzelperson eine Chance haben, diese ­geltend zu ­machen. Das sind ganz klassische Micro Claims.“ Wie Geld-für-Flug entstanden ist: „Wir mussten selbst einen Flug stornieren, haben die Ansprüche geltend gemacht, aber die ­Airline wollte nicht zahlen. Dann haben wir sie verklagt – und gewonnen.“ Der Grundstein für das RightNow-Geschäftsmodell ist gelegt: RightNow will Verbrauchern ihre Ansprüche nach ­Flugstornierungen abkaufen, zahlt diese innerhalb eines Tages aus und setzt den Anspruch dann selbst durch – auf eigenes Risiko und auf eigene Rechnung.

„Wir sind das erste und einzige Legal-­ Tech-Unternehmen, das konsequent auf Consumer Claims Purchasing setzt.“

Dieses Modell nennt RightNow „Consumer Claims Purchasing” und ist in der ­Legal-Tech-Branche bisher einzigartig. „Kein anderes Start-up, das Verbraucherrechte durchsetzt, nutzt diesen Ansatz“, so Quarch. Inzwischen hat das junge Unternehmen zwei weitere Produkte im Portfolio: Auch Ansprüche nach Zugverspätungen oder Autounfällen werden für Verbraucher durchgesetzt. Deren Vorteile: Schnelle Auszahlung, kein Kostenrisiko und ­keine langwierigen Verfahren samt zusätzlicher Anwaltskosten. Weitere Produkte sind bereits in Planung. „Das Ziel ist, dass in Zukunft jeder Verbraucher bei uns das passende Angebot ­findet, um aktuelle Ansprüche oder solche, die noch nicht verjährt sind, durchzusetzen.“

„Über Marketing erreichen wir Verbraucher, ­ die dank automatisierter Anspruchsprüfung innerhalb von 24 Stunden eine Zahlung erhalten.“

RightNows Ansatz funktioniert – bringt aber auch einige Herausforderungen mit sich: „Zunächst müssen wir Verbraucher, die einen Anspruch haben, über Marketingmaßnahmen erreichen. Dafür konnten wir zuletzt den TV-Anwalt Ingo Lenßen gewinnen“, so Quarch. „Wenn ein Fall vorliegt, muss zunächst geprüft werden, ob wirklich ein Anspruch besteht und wieviel ausgezahlt werden kann.“ Diese Prüfung läuft zum größten Teil automatisiert ab. Der RightNow-Algorithmus berücksichtigt dabei Faktoren wie die betroffene Airline oder das zuständige Gericht – denn beide Instanzen haben Einfluss darauf, wie hoch das Risiko für RightNow ist und wie die Erfolgschancen stehen. „Es gibt Gerichte, bei denen ­hoher Personalmangel herrscht. Fälle ziehen sich hier manchmal jahrelang. Andere ­Gerichte sind schnell und effizient“, erklärt Quarch. „All diese Infos haben wir in einer Datenbank ­gespeichert.“ Nur wenige Stunden dauert die automatisierte Prüfung und schon liegt der Verbraucherin ein Angebot vor.

„Die Herausforderung liegt in der Natur der Sache: Vorfinanzierung und Risikoübernahme“

„Wird das Angebot angenommen, müssen wir den Anspruch durchsetzen“, so Quarch, „Auch hier läuft bis zum Gerichtsverfahren alles automatisiert ab. Das Verfahren an sich ist ebenfalls ein standardisierter Prozess – fast wie ein einstudiertes Theaterstück.“ ­Größte ­Herausforderung und höchstes Risiko des Consumer Claims Purchasing ist die Natur der ­Sache, nämlich die Vorfinanzierung. „Wir kaufen die Verbraucherforderung ab, bevor wir ­diese durchsetzen. Dieses Geld kommt aus eigenen Beständen oder über ein Finanzierungsvehikel. Liquiditätsmanagement ist daher immer ein wichtiges Thema für uns, inzwischen sind wir hier aber sehr solide aufgestellt. “, so Quarch, der in Zukunft weitere Märkte ins ­Visier nehmen will: „Wir starten jetzt in Schweden, die DACH-Region ist bereits abgedeckt und ­weitere Länder stehen auf dem Plan. Unsere Vision ist es außerdem, alle Produkte künftig auf einer Plattform zu bündeln.“

„Ich liebe die Kombination aus Unternehmer und Jurist. Ich bin frei und trage dennoch Verantwortung.“

Als Managing Director und Head of Legal ist Benedikt Quarch in jeder Finanzierungsrunde ­federführend dabei. Sein juristischer Background hilft ihm, RightNows Rechtsabteilung nach vorne zu bringen: „Ich liebe es, dass ich mich nach wie vor mit juristischen ­Themen ­beschäftige. Ein Beispiel ist unser Verfahren gegen Ryanair, wo es um Rechtswahlklauseln geht. Wir ­waren mit diesem Fall auch schon beim Europäischen Gerichtshof und sind ­damit ganz vorne in ­Sachen Rechtsentwicklung dabei.“ Doch es gibt noch mehr zu tun: „Ich bin ebenfalls Managing Director und kümmere mich um Unternehmensführung und Personalentwicklung. In meiner Position geht es vor allem um die Verbindung von Jura und ­Unternehmertum. ­Dabei war es nie mein Plan, Unternehmer zu werden“, so Quarch. „Dennoch war es ­rückblickend die beste Entscheidung. Denn als Unternehmer habe ich ­Freiheit und trage Verantwortung. Das ist schon herausfordernd, aber eine geniale Kombination.“

„Niemand muss die klassische Rechtskarriere einschlagen. Finde deinen eigenen Weg und versuch es.“

Was ihn am meisten begeistert, ist aber das Team: „Wie sich unsere Leute entwickeln, wie sie an einem Strang ziehen und Probleme bewältigen – das finde ich sehr ­beeindruckend.“ Wer sich eine ähnliche Laufbahn wie die von Benedikt Quarch vorstellen kann, sollte insbesondere Geduld mitbringen: „Wenn du ein neues Unternehmen aufbaust, dauert immer alles länger als anfangs gedacht. Und es kommt immer anders als geplant.“ Wichtig ist ihm: „Niemand muss die klassische Rechtskarriere einschlagen. Die juristische Welt ist viel zu traditionsverpflichtet und konservativ. Wer darauf keine Lust hat, soll seinen eigenen Weg gehen. Man sollte sich nie vorwerfen, es nicht versucht zu haben.“

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