fbpx

Berlin Legal Tech 2019: Von Blockchain über Legal Design – Trends und Innovationen aus der Legal-Branche

Berlin Legal Tech 2019: Von Blockchain über Legal Design – Trends und Innovationen aus der Legal-Branche

1920 1280 Lawyers Magazine

Berlin Legal Tech 2019 – ein Event, das beweist: Die Legal-Branche verändert sich. Es wird digitaler, es wird progressiver, es wird quergedacht. Auf der Konferenz trafen Juristen auf Software-Entwickler und Legal Engineers auf Designer, um zu netzwerken, zu diskutieren und sich von den Innovatoren auf der Bühne inspirieren zu lassen. Wir haben die spannendsten Impulse in Sachen Legal Design, Blockchain und Design Thinking mitgebracht.

 „Das Schicksal von Regeln ist Code“, sagt Stephan Breidenbach, Mitveranstalter der Berlin Legal Tech, und macht damit gleich klar: Für eine Branche wie das Rechtswesen, die von Regeln und klaren Gesetzmäßigkeiten geprägt ist, sind digitale, automatisierte Prozesse in Zukunft nicht nur unumgänglich, sondern bergen auch riesige Chancen. Chancen, die immer mehr Juristen, Kanzleien und Rechtsabteilungen nutzen. Mit Legal Tech optimieren sie ihre Prozesse kosteneffizient und verschaffen sich so einen Wettbewerbsvorteil. 

Besucher der Berlin Legal Tech hält Rethinking Law Magazin in der Hand

Legal Tech revolutioniert die Branche, ist kosteneffizient und liefert einen klaren Wettbewerbsvorteil.

Wer Legal-Tech-Lösungen in den Arbeitsalltag integriert, stellt sich für die Zukunft auf und wird Teil einer sich revolutionierende Branche. Wichtig dabei: Legal Tech wird Juristinnen und Juristen nicht ersetzen. Die menschliche Perspektive kann durch keine Technologie eingenommen werden und wird bei Ermessensfragen, Bewertungen oder unbestimmten Rechtsbegriffen nach wie vor entscheidend – wenn nicht sogar noch wertvoller – sein. Dennoch, Prozesse und Denkweisen werden und müssen sich verändern. Wer diese Herausforderung annimmt und ihr Potential nutzt, wird konkurrenzfähig bleiben und Zukunft gestalten.

Florian Glatz hält Mikrofon und referiert zum Thema Blockchain-Lawyer

Florian Glatz nutzt die Blockchain-Technologie, um Lizenz-, Urheber- und Leistungsschutzrechte zentral einsehbar zu machen.

Ein Zukunftsgestalter ist Florian Glatz. Der Rechtsanwalt, der auch als Blockchain-Lawyer bekannt ist, gründete mitunter das Legal Tech Center in Berlin sowie den Blockchain Bundesverband „Bundesblock“. Das Legal Tech Center richtet nicht nur die Legal Tech Berlin aus, sondern bietet auch Workshops und Beratungen an, in denen vermittelt wird, wie Digitalisierung den Rechtsmarkt bereichern und Zugang zum Recht für alle ermöglichen kann. Bundesblock hingegen hat sich die Förderung der Blockchain-Technologie auf die Fahnen geschrieben. Bei seinem Vortrag „Motion Protocol – Blockchain für die Filmindustrie“ brachte Florian Glatz beide seiner Kernthemen auf die Rednerbühne. Seine Vision: Ein globales Register, über das sich einsehen lässt, wo Rechte an Wirtschaftsgütern, in diesem Fall Filmen, liegen – zentralisiert mit der Blockchain-Technologie.

„Setzt auf industriespezifische, leicht zugängliche Blockchains und vermeidet Datensilos.“

Mit dem Motion Protocol will Florian Glatz Licht in den bislang intransparenten Film-Markt bringen: Obwohl in Datenbanken wie der Internet Movie Database sämtliche Filme mit Hintergrundinfos erfasst sind, ist nicht ersichtlich, wo die Rechte an einem Film liegen – und das benachteiligt den Filmschaffenden, der für Lizenzen oftmals kein Geld sieht. Der Grund: Der Lizenzhandel ist dezentral. Ein Blockchain-basiertes Buchhaltungssystem kann das ändern und dafür sorgen, dass RechteinhaberInnen direkt vergütet werden. Grundsätzlich empfiehlt Florian Glatz für den Einsatz von Blockchain: „Baut keine Blockchain für die ganze Welt. Kreiert industriespezifische Blockchain-Netzwerke, die konkrete Use Cases und echten Mehrwert bieten. Setzt außerdem auf Blockchains, die mit dem Rest des Blockchain-Ökosystems verbunden sind, die ohne Kryptowährung auskommen und eine skalierbare, kostengünstige Infrastruktur haben.“

Dalia Moniat hält Mikrofon und und referiert zum Thema Design Thinking im Rechtswesen

Dalia Moniat nutzt Design Thinking, um Innovationspotential in der juristischen Ausbildung aufzudecken.

 Ebenfalls auf der Bühne der Berlin Legal Tech 2019: Dalia Moniat, Jurastudentin, Visual Artist und Woman of Legal Tech 2018. Moniat setzt die Brille des Design Thinkings auf, um das Rechtswesen neu und innovativ zu denken. Design Thinking – eine Methode zur kreativen, ganzheitlichen Problemlösung – wurde ursprünglich eingesetzt, um Produkte und Services zu entwickeln. Doch die Haltung hinter der Methode lässt sich auch auf andere Felder übertragen: „Ich habe mir dir Frage gestellt, wie wir die juristische Ausbildung durch Design Thinking verbessern können“, so Moniat. „Insbesondere in Bezug auf die Vermittlung juristischer Kompetenzen und Legal Tech.“

Dabei stieß sie auf zwei Kernherausforderungen für Juristinnen und Juristen: Zum einen senken die immense Fülle an Lernstoff und der hohe Leistungsanspruch die Motivation, zum anderen sind Lehrveranstaltungen oft nicht praxisbezogen genug und es fällt schwer, die Rechtsmethodik richtig anzuwenden. 

Astrid Kohlmeier hält Vortrag zum Thema Legal Design

Legal Designerin Astrid Kohlmeier schult das Innovations-Mindset und den Blick für Kundenbedürfnisse

 Astrid Kohlmeier, Rechtsanwältin und Woman of Legal Tech 2018, wirft in ihrem Vortrag zum Thema Legal Design eine Perspektive aufs Rechtswesen, die durch einen Branchenwechsel in ihrer eigenen Laufbahn entstanden ist: „Ich bin nach einiger Zeit als Anwältin in die Werbung gegangen und habe dabei mit vielen Designern gearbeitet. Wie dort an Aufgaben herangegangen wird und wie Probleme gelöst werden, hat mich begeistert,“ so Kohlmeier. Heute entwickelt sie die Methode des „Legal Designs“, die auf Design Thinking aufbaut und dementsprechend auf Ganzheitlichkeit und Nutzerfokus setzt.

„Als Juristen haben wir es nicht gelernt, aus Nutzersicht zu denken. Wir müssen aber wissen, wie Nutzer ticken und was sie erwarten.“ Kohlmeier macht deutlich: Diese Perspektive ist entscheidend, damit die Legal-Branche Innovationen hervorbringt und Angebote entstehen, die auch gebraucht werden. „Ich habe zum Beispiel herausgefunden: Rechtsabteilungen erwarten, dass sie von ihren Kanzleien in Innovationen geführt werden. Doch nur wenige Kanzleien begreifen das bisher als Chance und gehen neue Wege. Es fehlt das Innovations-Mindset und das Verständnis für die Rechtsabteilungen.“ Genau hier setzt Kohlmeier mit Legal Design an: Mindset und Nutzerperspektive legen die Basis. Erst danach geht es um Fähigkeiten, die erlernt werden müssen, um letztlich innovative Ideen auszugestalten und Legal Tech konkret einzusetzen. 

Wie gefällt Dir das Lawyers Magazine?

Dein Feedback zählt! Wir sind konstant dabei unsere Inhalte weiter zu verbessern.