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Fatima Hussain, Legal Counsel bei Audi: „Legal Tech verbessert Rechtsberatung und ist ein Wettbewerbsvorteil“

Fatima Hussain ist Legal Counsel bei der AUDI AG und bringt als Expertin für Legal Tech und digitale Innovationen den Rechtsbereich nach vorne. Ihr Wunsch: effiziente und, wo sinnvoll, automatisierte Arbeitsstrukturen, die am Puls der Zeit sind – und das nicht nur innerhalb ihres eigenen Arbeitsumfelds, sondern in der gesamten Rechtsbranche. 

„Unsere Rechtsabteilung arbeitet sehr international und setzt sich intensiv mit Digitalisierungsthemen auseinander“, sagt Fatima Hussain, Legal Counsel beim Autohersteller Audi. Die Juristin berät zu Rechtsfragen in Europa, Nordamerika sowie Südamerika und treibt Innovationsprojekte voran. „Aktuell arbeiten wir zum Beispiel an der Functions-on-Demand-Technologie, die bald in viele unserer Fahrzeuge kommt und Kunden das nachträgliche Zubuchen von Funktionen ermöglicht. Ein echtes Vorreiterprojekt.“ Hussains Alltag ist abwechslungsreich – und das liegt auch an der Team-Struktur.

„In unserer Rechtsabteilung arbeiten nicht nur Unternehmensjuristen, sondern auch ITler, Ingenieurinnen oder Patentanwälte.“

„Wir haben 150 Kollegen in der Rechtsabteilung. Circa 80 davon sind Unternehmensjuristen, dazu kommen Ingenieurinnen, ITler, Patentanwältinnen und Sachbearbeiter“, so Hussain. „Wir sind ständig im Kontakt mit Kollegen aus anderen Bereichen. Da lernt man extrem viel.“ Audi setze auf ein fachlich diverses Legal Team, das gemeinsam als sogenannter „Zentraler Rechtsservice“ für den Fachbereich agiert. „Bei der Beratung nicht-deutscher Märkte stimmen wir uns zusätzlich zum Beispiel mit Kollegen in Brasilien, Korea oder China ab. Wir sind also die Schnittstelle zwischen dem Headquarter in Ingolstadt und der jeweiligen Gesellschaft im Ausland“, erklärt Hussain, die Mitglied des Teams für Produktsicherheit und -haftung ist.

Fotos: Audi

„Wir nehmen Legal Tech sehr ernst und suchen ständig nach Lösungen, die uns effizienter arbeiten lassen.“

Die größte berufliche Leidenschaft der Juristin sind jedoch digitale Themen. „Ich bin sehr technikaffin, berate rechtlich zu neuen Fahrzeugtechnologien und bin im Laufe der Zeit in das Thema Legal Tech reingewachsen.“ Hussain ist Teil eines interdisziplinären Teams innerhalb der Audi-Rechtsabteilung, das sich Legal-Tech-Fragen widmet und unter die Lupe nimmt, wie eine innovative, optimierte Rechtsanwaltstätigkeit bei Audi funktionieren kann. „Wir nehmen das Thema sehr ernst und arbeiten ständig an neuen Lösungsansätzen“, sagt sie. „Wir wollen die Prozesse in der Rechtsabteilung effizient gestalten und den Fachbereichen schnelle Antworten auf Rechtsfragen liefern. Gerade wenn Themen komplexer und Anforderungen höher werden, schaffen Legal-Tech-Tools bei standardisierten Prozessen enorme Erleichterung.“

„Dank Automatisierung können wir uns auf spezielle, individuelle Rechtsfragen und Zukunftsthemen konzentrieren.“

Hussain und ihre Kollegen haben technologische Trends immer im Blick und arbeiten aktuell an einem Chatbot, der Fragen zum Thema eDiscovery beantworten kann. „Der Chatbot wurde im Rahmen eines Legal Hackathons entwickelt und getestet. Unser Ziel ist es, dass der Bot künftig bei möglichst vielen Rechtsfragen schnell Antworten liefert“, erklärt Hussain. Ihr Team hat bereits gute Erfahrung mit der Einführung eines Tools zu Erstellung standardisierter Geheimhaltungsvereinbarungen gesammelt. „Sprache, spezielle Klauseln und Vereinbarungselemente können nach Bedarf gewählt werden, während die Grundstruktur fix vorgegeben ist. Detailfragen können gegebenenfalls mit dem zuständigen Anwalt besprochen werden“, so die Juristin. „Dank dieser Automatisierung können wir uns auf spezielle, individuelle Rechtsfragen konzentrieren und haben Zeit für Themen, die mehr Hingabe brauchen. Der Chatbot bietet eine Art Filterfunktion und steht unseren Abteilungen 24/7 zur Verfügung. Natürlich sind wir als Rechtsberatung trotzdem immer für unsere Kollegen und Kolleginnen aus den Fachbereichen da“, sagt Hussain.

„Wer als Unternehmen Digitalisierung ganzheitlich angehen will, kann die Rechtsabteilung nicht ausnehmen.“

Die Juristin sieht Legal Tech als Wettbewerbsvorteil in einem hart umkämpften Markt. Denn wer seine Ressourcen sinnvoll einsetzt, sei für komplexe Herausforderungen besser aufgestellt. „Darüber hinaus ist die Einführung von Legal Tech nur konsequent, wenn man als Unternehmen versteht Digitalisierung ganzheitlich anzugehen”, sagt Fatima Hussain. „Andere Abteilungen automatisieren ihre Prozesse ebenfalls, unsere Mandanten kennen es nicht anders. Deswegen ist es logisch, dass sich auch die Rechtsabteilung dem digitalen Wandel stellt und Legal Tech integriert.“ Gerade deshalb bestehe in der Rechtsbranche allgemein noch Optimierungsbedarf: „Obwohl inzwischen das Bewusstsein dafür da ist, dass Legal Tech Juristen hilft und diese nicht durch Roboteranwälte ersetzt werden, muss immer wieder auf die Vorteile hingewiesen werden. Die Effizienzsteigerung und Arbeitserleichterung zu kommunizieren, ist wichtig. Denn sonst kann das Thema schnell wieder in den Hintergrund geraten“, weiß Hussain.

„Zur Zukunft der Rechtsbranche gehören bessere Infrastrukturen, digitale Gerichte und Legal Tech im Studium.“

Der Appell der Legal Counsel: Segel auf Zukunft setzen. „Dafür brauchen wir unter anderem eine bessere Infrastruktur. Auch Gerichte müssen digitaler und vernetzter werden.“ In der juristischen Ausbildung müsse Legal Tech vom stiefmütterlichen Nebenthema zum Schwerpunkt werden: „Bislang ist Legal Tech kein Prüfstoff, dabei stecken wir mittendrin in der Legal-Tech-Ära. Wir können es uns nicht leisten, dass jüngere Generationen hier Wissenslücken haben“, sagt Hussain. „Das Thema wird sich schnell entwickeln und in Unternehmen eine zunehmend große Rolle spielen. Wer sich mit Legal Tech auskennt, wird als Bewerber bessere Karten haben.“ Gehört die Affinität zu technologischen Themen also künftig zum Jobprofil von Juristinnen und Juristen dazu? „Definitiv. Insbesondere für Audi kann ich sagen, dass man Spaß an technischen Lösungen haben sollte. Auch wichtig: Die Lust daran, am Fahrzeug der Zukunft zu arbeiten. Denn Audi ist ein Zukunftsunternehmen, das ist sicher.“

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