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5 Minuten mit Dr. Marcus Funke und Dr. Benedikt Quarch zum Thema: Legal Tech in der Coronakrise

Die aktuelle Coronakrise stellt das wirtschaftliche und gesellschaftliche Geschehen weltweit auf eine noch nie dagewesene Probe. Nicht nur Start-ups, sondern auch große Unternehmen stehen in diesen Tagen und Wochen vor immensen Herausforderungen, die es zu bewältigen gilt. Welchen Herausforderungen hat sich RightNow aktuell zu stellen?

Benedikt Quarch12:05: In Zeiten wie diesen wollen wir gemeinsam ein Zeichen der Solidarität, der Verbundenheit und des Zusammenhalts vermitteln, denn das gegenwärtige Stimmungsbild im gesamten Reisemarkt ist mehr als alarmierend. Verunsicherung und Wut machen sich bei den Verbrauchern breit und dagegen wollen wir als RightNow ankämpfen. Uns erreichen tagtäglich zahllose Einreichungen von frustrierten und verängstigten Reisenden, die vergeblich nach Anlaufstellen suchen und genau dort setzen wir mit unserer jahrelangen Expertise an.

Als gesamtes Team stellen wir uns jeden Tag der Aufgabe, unserem Ruf als derAnsprechpartner bei der Durchsetzung von Rechtsansprüchen von Verbrauchern gerecht zu werden – vor allem in der jetzigen Krisenzeit. Und das mit Erfolg, denn das Feedback unserer Kundinnen und Kunden bestätigt und bestärkt uns, dass wir auf dem richtigen Weg sind. Wir nehmen uns der Herausforderung an, die digitale Revolution zum Wohl der Verbraucher voranzutreiben – in Deutschland und darüber hinaus.

Marcus Funke12:07: Als junges Unternehmen sehen wir jede Herausforderung als Möglichkeit, Erfahrungen zu sammeln und daran als Unternehmen und als Team zu wachsen. Mit dieser Einstellung haben wir die Chance, noch stärker aus der Krise hervorgehen. Wir wollen gemeinsam ein Zeichen setzen, für den Verbraucher und für den digitalen Verbraucherschutz.

Benedikt Quarch12:07: Vor diesem Hintergrund haben wir vor Kurzem ein „Corona Spezial“-Produkt auf den Markt gebracht, mit dem wir den Verbraucherinnen und Verbrauchern bei der Durchsetzung ihrer Erstattungsansprüche wegen abgesagter Flüge oder Reisen helfen. Es gilt: Gutscheine braucht man derzeit nicht zu akzeptieren – da ist das Europäische Recht eindeutig. Eine u.a. von der Bundesregierung vorgeschlagene Änderung konnte sich auf europäischer Ebene nicht durchsetzen. Viele Fluggesellschaften und Reiseveranstalter bieten aber dennoch nur Gutscheine an oder reagieren gar nicht. Hier setzen wir an und kämpfen für den digitalen Verbraucherschutz. Und das im April sogar komplett kostenlos!

Ein gutes Stichwort: Digitaler Verbraucherschutz. Wie sehen Sie die Zukunft des digitalen Verbraucherschutzes?

Marcus Funke12:08: Wir haben im letzten Monat mit einem Anstieg der Kundenanfragen um bis zu 600% ein phänomenales und bislang einmaliges Wachstum in unserer Unternehmensgeschichte vorweisen können. Mit diesem historischen Wachstum ebnen wir endgültig den Weg in das digitale Verbraucherrecht 2.0 und revolutionieren vor allem jetzt das Leben jeder Verbraucherin und jedes Verbrauchers. Mit RightNow schaffen wir die Basis eines zunehmend digitalen Verbraucherschutzes. Wir sind Teil einer digitalen Revolution, die es jetzt auf allen Ebenen des digitalen Verbraucherschutzes umzusetzen gilt.

RightNow wird mitunter als einer der Profiteure der Coronakrise betitelt. Trifft das zu?

Marcus Funke12:08: Die RightNow Group schreibt aktuell ein weiteres Kapitel in ihrer Erfolgsgeschichte. Wir sind uns dieser Verantwortung bewusst, die wir als Vertreter der LegalTech Branche tragen. Als junges Unternehmen wollen wir Vorreiter des digitalen Umdenkens sein, denn nur so können wir als ganze Gesellschaft profitieren. Wir wollen gemeinsam etwas bewegen und das geht nur durch einen aktiven Austausch. Ganz egal, ob Pflegepersonal, Politiker, Unternehmer, Lehrkräfte oder Mitarbeiter in einem jungen Startup – es liegt in unseren Händen.

Leere Stühle und verschlossene Türen – Gerichte im Stillstand. Das Coronavirus legt große Teile des öffentlichen Lebens lahm und so prägen leere Gerichtssäle das aktuelle Bild der Rechtsprechung in Deutschland. Welche Auswirkungen hat das auf die LegalTech Branche?

Benedikt Quarch12:08: Natürlich ist das für uns als LegalTech Unternehmen ein unbefriedigender und mühsamer Zustand, denn wir sind auf schnelle Gerichtsverfahren angewiesen, um die von unseren Kundinnen und Kunden erworbenen Forderungen möglichst rasch einzutreiben. Doch in Zeiten von Corona ist das bislang leider Fehlanzeige. Wir stehen als Unternehmen und Pionier der Branche für Innovation. Wir wollen Dinge vorantreiben und einen Perspektivwechsel zugunsten des digitalen Wandels innerhalb der Gesellschaft generieren.

Sie sprechen von einem „Perspektivwechsel zugunsten des digitalen Wandels“. Können Sie Ihren Gedanken weiter ausführen?

Benedikt Quarch12:09: Sehr gerne. Wir sehen die aktuelle Situation als absolute Sternstunde der LegalTech-Idee. Warum? Die Coronakrise hat uns gezeigt, dass Home-Office, Meetings, Konferenzen, Hauptversammlungen, Fortbildungsveranstaltungen, etc. auch ohne Probleme virtuell stattfinden können. Warum ist es dann nicht ebenso möglich, auch Gerichtsverfahren digital durchzuführen? In einem offenen Brief appellieren bereits einige LegalTech Unternehmen an die Justizminister der Länder sowie die Präsidenten der Amts- und Landgerichte, dass eine digitale Infrastruktur in einem modernen Land wie Deutschland unabdingbar ist. Es ist die Verantwortung von uns allen, aktiv einen Beitrag zu leisten, um so den gesellschaftlichen und technologischen Fortschritt voranzutreiben. Mit § 128a ZPO ist dafür bereits eine gesetzliche Grundlage gegeben – nur die technische Ausstattung muss endlich geschaffen werden.

Marcus Funke – 12:09: Aus unserer Sicht kann man sogar noch einen Schritt weitergehen. Konkret: Viele der Zivilprozesse vor deutschen Gerichten laufen immer gleich ab. Da liegt es doch auf der Hand, dass auch für die Automatisierung von Gerichtsverfahren kein Denkverbot mehr bestehen sollte. Hierüber sollten wir diskutieren. Estland ist bereits in diese Richtung unterwegs und macht spannende Erfahrungen. Ganz klar: Die Zukunft von Gerichtsverfahren ist digital.

Was sollten wir Ihrer Meinung nach aus der Krise lernen und mitnehmen?

Marcus Funke12:10: Wir befinden uns alle in einer noch nie dagewesenen Situation. Wir fragen uns alle, wie es wohl weitergeht. Bei aller Vorsicht, in einer solchen Situation Einschätzungen für die Zukunft abzugeben, werden doch einige Tendenzen sichtbar: Jetzt ist ganz klar die Zeit für das Ergreifen von neuen und bahnbrechenden Möglichkeiten, die das Miteinander fundamental verändern werden. Die Zeit der Angst und der Unsicherheit, Neues zu probieren, ist vorbei. Die Zeit des digitalen Umschwungs ist nun omnipräsent.

Und noch etwas kommt hinzu, um Organisationen resistenter gegen Krisen zu machen: Diversifikation und Kommunikation. Durch den stetigen Dialog mit unseren Kundinnen und Kunden haben wir unser Produktportfolio in den letzten Jahren immer wieder erweitert, um die Bedürfnissen von Verbraucherinnen und Verbrauchern zu adressieren. Der stetige Austausch miteinander ist die Basis, neue Märkte erschließen zu können und die Krisenresistenz zu stärken.

Dr. Marcus C. Funke
Rechtsanwalt und Attorney-at-Law (N.Y.); Studium der Rechtswissenschaften in Freiburg, Heidelberg und Chicago (LL.M., University of Chicago Law School), Rechtsreferendariat in Berlin; Promotion in Heidelberg (2010) („Gläubigerschutz durch Information im Recht der Aktiengesellschaft“); bis Februar 2020 Partner Latham & Watkins LLP, jetzt Chief Legal & Strategy Officer RightNow Group; seit 2018 Honorarprofessor EBS Universität für Wirtschaft und Recht.

Dr. Benedikt M. Quarch
Studium der Rechts- und Wirtschaftswissenschaften in Wiesbaden und Montréal; für das 1. Staatsexamen ausgezeichnet von der Hessischen Ministerin der Justiz als Landesbester des Jahres 2016; Ende 2016 Master in Betriebswirtschaftslehre (EBS Business School); 2019 Promotion (Dr. iur.) an der EBS Law School, Wiesbaden („Die Europäische Regulierung des Crowdlendings“, in Veröffentlichung beim Mohr Siebeck Verlag); seit 2017 Co-Founder und Geschäftsführer der RightNow Group.

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