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Dr. Robert Kilian, General Counsel bei N26: „Ein guter Wirtschaftsjurist denkt unternehmerisch.“

Dr. Robert Kilian, General Counsel bei N26: „Ein guter Wirtschaftsjurist denkt unternehmerisch.“

1920 1280 Lawyers Magazine

Nach einer Rekordfinanzierung im Januar 2019 steigt die mobile Bank N26 zum wertvollsten deutschen StartUp auf. Dr. Robert Kilian ist General Counsel und Generalbevollmächtigter des Durchstarter-Unternehmens. Was ihn an seinem Job begeistert sind die steile Lernkurve, die Nähe zur Produktentwicklung und die Arbeit mit neuesten Technologien. Allen, die eine ähnliche Karriere einschlagen wollen, empfiehlt er: stärkt euer Unternehmer-Mindset.

Dr. Robert Kilian startet 2012 seine Karriere bei der Wirtschaftskanzlei Hengeler Mueller. Sein Metier: Mergers & Acquisitions, Corporate und Finance. Drei Jahre später lernt er in der Berliner StartUp-Szene Valentin Stalf und Maximilian Tayenthal kennen. Die beiden planen die Gründung eines neuen, revolutionären Bank-Konzepts und Kilian weiß sofort: er will dabei sein. „Mich hat die Arbeit nah am Produkt gereizt“, so Kilian. „Ich wollte etwas machen, wo ich unternehmerisch arbeiten kann. Wo ich Erfolge und Niederlagen direkt miterlebe.“ 

„Die EZB-Banklizenz zu bekommen war ein riesiges Projekt – und der Startschuss unseres Bank-Business in 2016.“

Als ehemaliger M&A-Anwalt und dank eigener Gründungserfahrung bringt Kilian den perfekten Background mit, um 2015 bei N26 zu starten. Heute ist er General Counsel und Generalbevollmächtigter des StartUps, das mit einer Bewertung von 3,5 Milliarden US-Dollar als das bisher wertvollste in Deutschland gilt. Highlights gab es in den letzten vier Jahren einige: „Eine der größten und herausforderndsten Aufgaben war es, die EZB-Banklizenz zu bekommen – das ist nicht einfach“, erzählt Kilian. „Zehn intensive Monate hat der Prozess in Anspruch genommen. Das haben wir ordentlich gefeiert und konnten dann im Herbst 2016 endlich mit dem Bank-Business starten.“ Darüber hinaus wickelt Kilian die Finanzierungsrunden des Unternehmens ab und verhandelt mit den Investoren. Zuletzt wurde die höchste Finanzierung abgewickelt, die es je für ein europäisches StartUp gab: 470 Millionen US-Dollar. „Das war der Wahnsinn“, erinnert sich Kilian. „Auch weil die Due Diligence und der Verhandlungsdruck durch die hohen Summen, die hier investiert wurden, entsprechend groß waren.“ 

„Die Lernkurve bei N26 ist sehr steil – dank enger Zusammenarbeit und starkem Unternehmenswachstum.“

Nach dem Erfolg auf dem deutschen Markt, ließ die Internationalisierung nicht lang auf sich warten: N26 ist heute in 26 Ländern von Österreich bis Italien tätig. Seit dem Spätsommer 2019 ist das StartUp sogar in den USA vertreten. „Ich habe mich im letzten Jahr sehr intensiv mit dem Unternehmensaufbau in den USA beschäftigt. Und 2020 wird auch Brasilien dazukommen“, verrät Kilian, der die internationale Arbeit liebt – auch intern: „Ich treffe täglich ambitionierte Menschen aus verschiedenen Bereichen und Ländern. Bei uns arbeiten Mitarbeiter aus über 40 Nationen – und die sind absolut spitze, in dem was sie tun.“ Kilian sieht zum Beispiel das N26-Designteam weit vorn, insbesondere im Finanzbereich, und genießt die enge Zusammenarbeit mit den unterschiedlichen Experten. „Wir sind ganz nah dran am Tech-Team oder an der Produktentwicklung – und das bei einem Produkt, das so extrem wächst. Diese Nähe ermöglicht auch unserer Legal-Abteilung eine steile Lernkurve in kurzer Zeit, was den Job noch viel spannender macht.“ 

„Von Finanzierungsrunden bis Personalmanagement: Mein Job geht weit über die reine Rechtsberatung hinaus.“

Und das Wachstum der jungen Bank ist tatsächlich beeindruckend: 2015 teilten sich 15 Mitarbeiter ein Büro in Berlin, heute verteilen sich stolze 1500 Team-Mitglieder auf sieben Büros. „Dahinter steckt natürlich ein wahnsinniger Arbeitsaufwand. Gleichzeitig macht man so viele Erfahrungen. Ich konnte in wenigen Jahren unglaublich viel mitnehmen“, so Kilian, dessen Aufgabenbereich nur schwer zu greifen ist: Strukturieren von Finanzierungsrunden, Teamaufbau in Europa, den USA und Brasilien, Führung der klassischen Rechtsabteilung sowie Personalverantwortung für weitere Abteilungen. Zusätzlich fungiert Kilian als Generalbevollmächtigter – ein zeichnungsberechtigter Vertreter der Gründer.“ 

„Nur wer sich mit Entrepreneurship und der Realität von Gründern auskennt, kann kompetent beraten.“

Wer eine ähnliche Karriere wie die von Kilian im Blick hat, braucht aus dessen Sicht vor allem eins: unternehmerisches Verständnis. „Unternehmerisch zu denken und zu handeln ist das Wichtigste. Sonst kann man Gründer oder auch das Topmanagement nicht gut beraten“, weiß Kilian. „Denn wer nicht einschätzen kann, mit welchen Entscheidungen Gründer Tag für Tag konfrontiert werden, kann schwer passenden Rat geben.“ Seine eigenen Erfahrungen als Gründer kommen Kilian hier zugute und haben ihn auch souveräner im Umgang mit Risiko gemacht. Leider steht das Thema Entrepreneurship bislang nicht im juristischen Ausbildungsplan. Robert Kilian will das ändern: Sein Kurs „Digitale Geschäftsmodelle im hochregulierten Umfeld“ kann aktuell von Studierenden der Humboldt Universität in Berlin belegt werden. „Wer erfolgreicher Wirtschaftsjurist werden will, muss vorab in unternehmerische Erfahrungen mit eingebunden gewesen sein. Nur so bekommt man das Mindset und die Perspektive, um beraten zu können“, so Kilian, der empfiehlt, selbst zu gründen oder in kleine Unternehmen und StartUps zu gehen. 

„Meine Zeit als M&A-Anwalt war eine perfekte Wirtschaftsausbildung.“

Aus akademischer Sicht zahlt sich auch die Expertise als M&A-Anwalt aus – nicht nur bei Finanzierungsrunden: „Die Anwaltszeit war für mich eine perfekte Wirtschaftsausbildung. Ich durfte viele Industrien kennenlernen und mir einzelne Unternehmen intensiv ansehen“, erzählt Kilian. „Die Produktnähe hat mir damals jedoch gefehlt, deswegen war der Wechsel zu N26 genau richtig. Auch, weil ich sehr technologieaffin bin.“ Denn zukunftsweisende Technologien sind für den Unternehmenserfolg von N26 entscheidend: „Wir wollen eine globale Bank bauen, die auf Kundenerfahrung setzt – und das auf einer niedrigen Kostenbasis, die wir nur erreichen, wenn wir Technologien nutzen, mit denen wir Prozesse automatisieren können.“ Und ein Blick auf die aktuellen Erfolgszahlen von N26 zeigt: Dieser Plan geht auf.

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