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Nikolai Vokuhl, General Counsel bei HUGO BOSS:„Als junger Jurist sollte man sich nicht einschränken und für alle Fachbereiche offen sein“

Nikolai Vokuhl startet 2019 bei HUGO BOSS und führt hier als General Counsel ein Team aus 28 Mitarbeiter*innen. Sein Ziel ist es, eine Rechtsabteilung aufzubauen, die als Business Partner agiert und Projekte von A bis Z juristisch begleitet. Ebenfalls auf seiner Agenda: Digitalisierung vorantreiben und Risiken jederzeit im Blick haben.

Als General Counsel bei HUGO BOSS, sieht Nikolai Vokuhl sich vor allem in der Funktion eines Risk Managers. „Mein Alltag ist ziemlich abwechslungsreich. Im Wesentlichen geht es aber immer um Themenbewertung und darum, Risiken einschätzen zu können“, so der Jurist. „Ich wäge Optionen ab und vereinfache komplexe Sachverhalte, um, zum Beispiel dem Vorstand, Empfehlungen geben zu können.“

„Bis 2022 wollen wir 400 Millionen Euro Umsatz über E-Commerce erzielen – ein Kraftakt für die gesamte Rechtsabteilung.“

Neben dem klaren Blick für mögliche Risiken, muss Vokuhl vor allem Flexibilität mitbringen: „Jeder Tag ist anders und neben den alltäglichen Aufgaben arbeiten wir immer wieder an Highlight-Projekten“, sagt der General Counsel. „Eins davon ist das Ziel, unseren Online-Umsatz bis 2022 zu vervielfachen. Wir wollen 400 Millionen Euro Umsatz erreichen. Dafür arbeiten wir mit einem Partner, der uns den Online-Bereich deutlich schneller skalieren lässt.“ Allein für 2020 steht die Anbindung 14 neuer Länder an den E-Commerce auf dem Plan. „Alle diese Länder mussten von uns geprüft werden. Das war ein Kraftakt für das gesamte Team der Rechtsabteilung, aber wir haben es geschafft. Es war schön zu sehen, welche Leistung wir abrufen konnten“, so Vokuhl.

„Wann hat man als deutscher Jurist schon die Gelegenheit, vor dem Supreme People’s Court in China zu stehen?“

Auch ein Fall von Produktpiraterie beschäftigt Vokuhl und sein Team schon über mehrere Jahre: Das chinesische Unternehmen BOSS Sunwen produziert ähnliche Kleidung wie HUGO BOSS und verkauft diese sogar in eigenen Ladenlokalen, die ein ähnliches Ladendesign haben wie die BOSS Läden.. „Zunächst haben wir versucht, die Marke zu löschen und haben dafür diverse Verfahren in China durchlaufen“, so der Jurist. „Wir haben immer verloren. Die Begründung: BOSS Sunwen sei inzwischen als eigene Marke bekannt und würde von Kunden nicht mit  BOSS verwechselt werden. Das ist faktisch jedoch falsch.“ 2019 reicht das Legal Team schließlich eine Verfassungsbeschwerde beim Obersten Volksgerichtshof Chinas, dem Supreme People’s Court, ein. „Der Fall wurde zur Entscheidung angenommen – zunächst ein gutes Zeichen“, sagt Vokuhl. „Dennoch wurde uns kurz darauf mitgeteilt, dass wir wieder verloren haben. Das hatten wir nicht erwartet.“

Der Fall löst gemischte Gefühle aus: „Wir sind klar im Recht – nach deutscher, europäischer und auch chinesischer Gesetzeslage. Trotzdem zu verlieren, ist hart. Gleichzeitig war die Ausarbeitung des Falls, bei dem auch die Bundesregierung eingebunden war, großartig. Wir konnten immerhin verhindern, dass BOSS Sunwen als Marke außerhalb Chinas angemeldet werden darf“, erklärt Vokuhl. „Außerdem: Wann hat man als deutscher Jurist schon die Gelegenheit, ein Verfahren vor dem Supreme People’s Court in China zu führen?“

„Als Rechtsabteilung wollen wir proaktiv und lösungsorientiert beraten sowie standardisierte Prozesse automatisieren.“

Für die Zukunft sieht Vokuhl sich und sein Team vor allem in der Rolle eines internen Business Partners. „Das bedeutet, dass die Rechtsabteilung noch früher in Projekte involviert wird, um von Anfang an erfolgsversprechende Weichen zu stellen.“ Der General Counsel erklärt: „Wir wollen noch proaktiver mitgestalten und auch die Zusammenarbeit mit anderen Fachbereichen besser verzahnen. Hier haben wir uns als Team beraten und Prinzipien definiert. Eins davon ist: Wir wollen nicht nur auf Probleme hinweisen, sondern Lösungen bieten.“ Auch das Thema Digitalisierung steht im Fokus: „Wir wollen deutlich digitaler werden und standardisierte Prozesse vollständig automatisieren. So haben wir mehr Zeit für die spannenden, rechtlich komplexen Themen und können Effizienz und Talent Retention steigern.“

„Ein Anwalt soll mir nicht nur Optionen aufzählen, sondern klare Handlungsempfehlungen liefern.“

Als Unternehmen, das in 123 Ländern aktiv ist, wird HUGO BOSS in Einzelfällen auch von externen Rechtsberatungen unterstützt – insbesondere, wenn Kapazitäten knapp werden oder zusätzliche Expertise und ein frischer Blick gefragt sind. „Uns ist wichtig, dass die Rechtsberatung auch Business-Verständnis mitbringt und nicht nur juristische Theorie im Kopf hat. Jura ist schließlich kein Selbstzweck“, so Vokuhl. „Ich brauche einen Anwalt, der eine Meinung hat und mir nicht nur Optionen aufzählt – denn die kann ich mir auch selbst erarbeiten. Wir brauchen jemanden, der uns basierend auf seiner Erfahrung eine klare Handlungsempfehlung gibt.“ Dabei sei Vokuhl sich bewusst, dass es bei juristischen Fragen keine Schwarz-Weiß-Antworten gibt. „Natürlich kann man auch mal falsch liegen, aber dafür haben wir noch niemanden verklagt. Dann setzt man sich eben zusammen und arbeitet an einer Lösung.“

„Das Modell der Billable Hour ist bei Kanzleien tief verankert. Wir bevorzugen jedoch Fixpreise, die den Wert der Arbeitsleistung widerspiegeln.“

Auch das Billable-Hour-Modell sieht der General Counsel kritisch: „Das System fördert kein effizientes Arbeiten – ganz im Gegenteil. Deswegen besprechen wir vorab, was uns die Leistung der Kanzlei wert ist und versuchen, uns auf einen festen Preis zu einigen. Dabei merkt man natürlich, dass das Konzept der Billable Hour tief verankert ist“, erklärt Nikolai Vokuhl, der sich von seinen externen Partnern Resultate wünscht, die direkt an das Business-Team weitergegeben werden können: „Das Arbeitsergebnis sollte so ausgestaltet sein, dass wir es nicht noch mal anfassen müssen. Das funktioniert häufig nicht so gut, da Kanzleien es gewöhnt sind, alle Informationen zu einer Problemstellung weiterzugeben, anstatt diese gefiltert aufzubereiten.“

„HUGO BOSS bietet eine familiäre und gleichzeitig innovative Atmosphäre sowie attraktive Benefits.“

„Die Atmosphäre bei HUGO BOSS ist sehr familiär“, sagt Vokuhl. „Gleichzeitig sind alle offen für neue Ideen und Innovationen. Aktuell ist auch das Geschäftsmodell im Umbau. Wir werden digitaler und schaffen Strukturen, dank der wir schneller auf Trends reagieren können. In einem Unternehmen zu sein, das sich stetig weiterentwickelt, ist extrem spannend.“ Dass HUGO BOSS Arbeitsbedingungen schaffen will, die dem Zeitgeist entsprechen, zeigt auch ein Blick auf den unternehmenseigenen Campus, der mit Restaurants und Sportmöglichkeiten vom Fußballplatz bis zum Beachvolleyballfeld ausgestattet ist. „Man fühlt sich hier richtig wohl und profitiert von Benefits wie der Ausstattung mit HUGO BOSS-Kleidung“, so der Jurist.

„Auch der New-Work-Gedanke wird hier zunehmend gelebt.“ Was Nikolai Vokuhl Nachwuchsjuristinnen und -juristen rät, die eine ähnliche Karriere anstreben? „Es macht Sinn, breit aufgestellt und offen zu sein. Häufig spezialisieren sich Juristen im Studium auf einen Bereich und wollen im Job ausschließlich in dieser Nische bleiben. Hier ist mehr Beweglichkeit gefragt. Schränkt euch nicht zu früh ein und lernt immer dazu.“

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