W

Wo Legal-Trends entstehen und Juristen weiterdenken

Im Bucerius Center on the Legal Profession werden aktuelle Legal-Trends nicht nur diskutiert, sondern auch begründet. Der Fokus des Bucerius CLP liegt auf der Zukunft des Rechtsmarkts und dem Ziel, Juristinnen und Juristen zu ausgezeichneten Beratern zu machen. Wir haben mit Dr. Hariolf Wenzler, Co-Director des Centers, gesprochen und die Herbsttagung zum Thema „Managed Legal Services“ im November 2019 besucht.

Wenzler ist Gründer und Vorstandsmitglied der European Legal Technology Association, Initiator von ReInvent.Law, dem ersten Legal Innovation Hub in Kontinentaleuropa, und Co-Director des Bucerius Center on the Legal Profession (kurz: Bucerius CLP). Als ehemaliger Geschäftsführer der Bucerius Law School kennt und lebt er die Bucerius-Kultur wie kein anderer. „Gegründet wurde das Center basierend auf der Erkenntnis, dass ein guter Jurist nur dann auch ein guter Berater ist, wenn er fachübergreifende Kenntnisse hat“, erklärt Wenzler. „So wurde das Center, unter dem Dach der Bucerius Law School, als Schnittstelle von Recht, Wirtschaft und Management ins Leben gerufen.“ Diese Positionierung wird in der täglichen Arbeit des Centers sichtbar: In Forschungsprojekten werden unter anderem Fragen zu Management und Führung von Wirtschaftskanzleien und Rechtsabteilungen analysiert. Die Ergebnisse werden auf Tagungen und Konferenzen geteilt und in konkrete Beratungsangebote übersetzt. 

Foto: Bucerius Education GmbH

„Wir wollen einen Ort schaffen, an dem die Weiterentwicklung des Rechtsmarkts gedacht, diskutiert und erforscht wird.“

Ein innovativer Ansatz, der die Mission des Centers perfekt widerspiegelt: „Wir wollen einen Ort schaffen, an dem die Weiterentwicklung des Rechtsmarkts gedacht, diskutiert und erforscht wird“, so Wenzler. „Das Bucerius CLP ist aus meiner Sicht die einzige deutsche Einrichtung, die so einen Raum bietet. Dass systematisch und interessiert über Status Quo und Zukunft dieser wichtigen Branche nachgedacht werden muss, steht für mich außer Frage.“ Netzwerkpartner des CLP sind unter anderem Zentren in Harvard, Georgetown und Stanford, mit denen gemeinsam Veranstaltungen ausgerichtet werden. „Trotzdem ist es noch eine recht kleine Szene, die sich mit diesem interessanten und dramatisch wandelnden Markt auseinandersetzt“, so Wenzler. 

Bei der jährlichen Herbsttagung treffen Partner, Managerinnen, Unternehmensjuristinnen und internationale Referenten aufeinander

Wenzler ist stolz, dass das CLP diese Lücke schließt und genießt die Zusammenarbeit mit dem Direktorium: Ein Dreiergespann, das mit Dr. Claudia Junker, General Counsel bei der Deutschen Telekom, Prof. Dr. Klaus-Stefan Hohenstatt, Freshfields-Partner und Wenzler unterschiedliche Perspektiven auf die Legal-Branche vereint. Jährliches Highlight für das Team: Die Herbsttagung, die 2019 zum neunten Mal stattfindet. Hier treffen Partner und Managerinnen führender Wirtschaftskanzleien auf Unternehmensjuristinnen sowie auf die vielen neuen Player auf dem Rechtsmarkt, um Erfahrungen auszutauschen und Impulse der internationalen Referenten mitzunehmen. Leitthema 2019: Vormarsch der Managed Legal Services. Diese stehen für standardisierte Dienstleistungen „rund ums Rechtliche“, die auf Legal Technology basieren und zunehmend ins Geschäftsmodell wirtschaftsberatender Kanzleien integriert werden. 

„Anwaltskanzleien werden künftig so arbeiten müssen wie große Unternehmen und StartUps.“

Wenzler definiert Managed Legal Services so: „Es geht um effiziente Prozesse unter Einsatz geeigneter Technologien und der passenden Leute. Denn jede Dienstleistung ist ein prozessgetriebenes Geschäft.“ Er erklärt: „Diesen Prozess analysieren, seine Logik erfassen und ihn dann so managen, dass aus einer chaotischen Organisation eine nach Prozessmaßstäben funktionierende Organisation wird – darum geht’s.“ Passende Technologien und Mitarbeiter bilden dafür die Basis. „Anwaltskanzleien werden so arbeiten müssen wie große Unternehmen oder StartUps. Wenn sie das tun, werden Sie auch Mitarbeiter finden, die genau auf diese Arbeitsweise Lust haben. Auch Mandanten bevorzugen Kanzleien, die effizient und organisiert aufgestellt sind“, so Wenzler, der die nächste Juristen-Generation im Blick hat: „Es geht den jungen Menschen nicht darum, möglichst wenig zu arbeiten. Sie sehen viel mehr genau, wo ineffizient und deswegen zu viel gearbeitet wird – weil Technologien nicht smart genutzt werden.

Das Ziel muss sein, dass sich Juristen auf die rechtliche Beratung fokussieren können. Der Rest muss prozessual gut organisiert werden. Hier setzen Managed Legal Services an.“

„Ein Anwalt braucht Verständnis für Management und betriebswirtschaftliche Zusammenhänge – nicht nur in der Beratung von Mandanten, sondern auch in der Aufstellung der eigenen Kanzlei.“

Der Kern der Managed Legal Services liegt für Wenzler entsprechend in der Arbeitsteilung: „Juristen brauchen ein Manager-Mindset. Denn Juristen werden dazu ausgebildet, die Besten zu sein. Diese Haltung leben sie, so werden sie Partner. Das steht im starken Kontrast zum Profil eines Managers, dessen Stärke die Teamorganisation ist. Dabei muss ein Manager fachlich nicht besser sein als die einzelnen Teammitglieder.“ Der CLP-Director ruft dazu auf, dieses arbeitsteilige Modell auch in Kanzleien zu etablieren. „Kanzleien müssen in Zukunft als Unternehmen geführt werden. Das ist der Schlüssel für künftige juristische Dienstleistungen.“ Entsprechend gilt es für junge Anwälte, die passende Haltung mitzubringen: „Ein Anwalt braucht Verständnis für Management und betriebswirtschaftliche Zusammenhänge – nicht nur in der Beratung von Mandanten, sondern auch in der Aufstellung der eigenen Kanzlei“, so Wenzler, der plädiert: „Stellt euch arbeitsteilig statt partnerzentriert auf.“